Montag, 31. Dezember 2007
Bioshock
Über die Feiertage gab es viel freie Zeit, da wir Verwandtenbesuche schon weit vorab gelegt hatten. Diese Zeit nutzten wir neben viel WoW spielen auch für ein wenig Entspannung auf der Couch beim XBOX spielen. Wir halten das so, dass ich ab und an mal 1-2 Stunden am Stück auf der XBOX spiele und meine Frau dabei liest (wenn sie nicht gerade Guitar Hero III spielt, was ihr ziemlichen Spaß bereitet). So habe ich dann verstreut über einige Wochen Bioshock gespielt. An diesem Wochenende habe ich das Spiel beendet. Normalerweise schreibe ich nicht viel, wenn ich ein Spiel durch habe. Über Bioshock möchte ich aber ein paar Sätze verlieren. Zuerst, das Spiel wurde von ehemaligen Looking Glass Mitarbeitern entworfen und trat daher das Erbe von System Shock I + II an. Beides großartige Spiele, wobei der erste Teil bei mir noch einen größeren Eindruck hinterlassen hat, so wie viele Spiele, die die Nummer 1 im Namen tragen (bzw. nicht tragen, da sie meist nicht als Serie konzipiert werden). Die Grundidee bei diesen Spielen ist, dass der Spieler sich in deutlich größeren Freiheitsgraden als im normalen Shooter bewegen konnte. Der Spielercharakter besitzt eine Reihe von Entscheidungsmöglichkeiten im Spiel, die ein normaler, linearer Shooter nicht hat. Typisch für die System Shock Reihe war z.B. dass man sich in verschiedene Richtungen spezialisieren konnte. Hacker, Waffenexperte und im zweiten Teil auch Bionikexperte standen zur Verfügung. So konnte jeder Spieler gemäß seiner bevorzugten Spielhaltung agieren und entweder wie im klassischen Shooter alles umschießen, was im vor die Flinte kam oder eben Gegner austricksen und sie umgehen.
Bei Bioshock sind diese Elemente auch wieder vorhanden. Sogenannte Plasmide erlauben in einer recht freien Zusammenstellung diverse Angriffs- und Schutzmöglichkeiten, verschiedene Waffen bieten Vorteile gegen die Gegner.
Bioshock bietet nicht allzu viele verschiedene Gegnertypen. Es bleibt ein Spiel, das versucht mit den Regeln der wissenschaftlichen Realität nicht allzusehr zu brechen, bietet aber genügend fantastische Elemente, insbesondere die Plasmide und deren Quelle, das Adam und das Eve. Im Spiel wird das Bioshock-Äquivalent zu Magie und Mana durch die Entdeckung genetischer Veränderungen und den "Zaubern" die man damit auslösen kann erklärt. Es passt und ist mit der Spielwelt konsistent, ist sogar einer der inhaltlich zentralen Storybausteine von Bioshock und nicht nur "eine andere Waffenart".
Was Bioshock in meinen Augen von den zahlreichen anderen, auch spannenden Shootern abhebt, ist die Story. Wie in System Shock wird sie durch Tonbänder erzählt, die Bewohner von Rapture, der Unterwasserstadt, hinterlassen haben. Schicksale und Tragödien werden dem Spieler so offenbart, die besser unter dem Meeresspiegel geblieben wären. Die Story hangelt sich an verschiedenen Hauptcharakteren von Rapture entlang. Treibende Kraft ist Atlas, eine Stimme über Funk, die den Spieler in weiten Teilen des Spiels leitet. Der Erfinder, Erbauer und Diktator von Rapture, Andrew Ryan, ist derjenige, welcher den Untergang der Stadt zu verantworten hat. Ein Kapitalist von Ayn Randscher Prägung, steht er im Reigen mit anderen Charakteren aus Rapture wie der polnischen Wissenschaftlerin Tenenbaum, die die sogenannten Little Sisters zu verantworten hat, dem asiatischen Arzt Souchong, dem plastischen Chirurgen Dr. Steinman, dem Künstler Sander Cohen sowie anderen illustren Gestalten. Kleiner Einschub: Atlas ist eine Reminiszenz an das Buch "Atlas shrugged" und Fontaine erinnert mich an "The Fountainhead". Der Charakter Andrew Ryan mit seiner kompromisslosen Philosophie wird dem Buchcharakter John Galt aus Atlas shrugged gerecht, viele seiner Zitate im Spiel sind angelehnt an die Philosophie aus Rands Romanen.
Neben diesen Figuren stehen die Gegner, welche durchweg menschlich sind, aber genetisch verändert und mit unterschiedlichen Anzügen, Uniformen und Masken etwas Abwechslung besitzen. Die großen Highlights im Spiel sind die Big Daddys, gewaltige Menschen in Taucheranzügen mit Bronzetaucherhelmen und schweren Waffen, welche die oben angesprochenen Little Sisters begleiten und beschützen. Die Bindung dieser so ungleichen Paare ist später im Spiel ein sehr gut dargestelltes Thema. Die Little Sisters wurden programmiert, das Adam, genetisches Material, aus Leichen zu extrahieren und die Big Daddys beschützen sie dabei.
Nach vielen Leveln und durchweg spannenden Aufgaben, nachdem man geschätzte hunderte Automaten benutzt, Selbstschuss- und Überwachungsanlagen ausgetrickst hat, kommt es zu einer großartigen Storyüberraschung und einem guten Showdown. Eine brilliant erzählte Geschichte, die mir viel Spaß bereitet hat, toll aussah und ich bestimmt nach einer Pause noch einmal spielen werde.
Bioshock tritt ein würdiges Erbe an und führt die System Shock Reihe erfolgreich weiter.
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