Sonntag, 14. Juni 2009

Fitness at Home - Wii Sportspiel-Vergleich

Seit Erscheinen der Wii ist es dem Konsolenhersteller Nintendo gelungen, neue Zielgruppen zu erschließen. Es sind nun drei Sportspiele erhältlich, die den Anspruch haben, den Spieler fit zu halten oder fit zu machen. Wie gut sind diese drei Spiele nun? Der Autor der Zeilen kann selbst mit Erfolg vermelden, mehr als 10 Kilo mit den Spielen abgenommen zu haben.

1. Wii Fit mit Balance Board
http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/games/wii/wii_fit_2841.html
Der Klassiker unter den USP's für die Wii. Ein eher teures Spiel, das zusammen mit dem Balance Board für wahre Auskaufbewegungen in den Kaufhäusern gesorgt hat. Wochenlang waren Wii Fit + Balance Board bei den großen Elektronikkaufhäusern und auch bei Internetversendern praktisch nicht erhältlich. Nicht selten wurde gleich das Kombipack gekauft: Wii Konsole + Wii Fit Balance Board.

Dank des Umstands, dass Wii Fit von Nintendo kommt, ist die Integration in die Wii gut. Das Spiel nutzt die Wii Avatare, die sogenannten Mii, im Bereichen des Spiels. So sieht man die bei der Wii Fit angemeldeten Spieler im Hauptmenü und nutzt sie in zwei der vier Trainingsbereiche. In den zwei Trainingseinheiten Yoga und Muskelübungen selber sind die Mii aber nicht zu sehen, hier schaut man ausschließlich auf eine Computer-Trainerfigur. Was lustig gemacht ist, sind die Verknüpfungen zwischen dem Body Mass Index (http://de.wikipedia.org/wiki/Body-Mass-Index) des Spielers und dem Mii. Wer schlank ist, bekommt ein schlankes Mii, wer übergewichtig ist, einen dicken. Die Auflösung auf einem 16:9 HD Fernseher bleibt bei unscharfen 4:3 mit einem sehr abstrakt dargestellten Trainingsraum.

Wie gut ist Wii Fit? Es gibt 4 Kategorien im Spiel: Yoga, Muskelübungen, Aerobic, Balance-Übungen.

Alle vier Kategorien nutzen das Wii Balance Board, eine Art Waage mit vier Quadranten, das merkt, welche Gewichtsverteilung gegenwärtig anliegt. Lehnt man sich nach vorne rechts, verteilt sich mehr Gewicht auf dem rechten Fußballen usw. Dadurch errechnet das Spiel die Balance des Spielers. Unruhiges Zittern verursacht entsprechende Verschiebungen zwischen den Links-Rechts-Bereichen. So lassen sich alle Arten von Gleichgewichtsübungen durchführen. Die aeroben Sport-Übungen sind eine Mischung aus Step, Boxen und Hula-Hoop. Ganz solide, um sich aufzuwärmen, verlangen gutes Rhythmusgefühl beim Ausführen der Bewegungen und machen allesamt Spaß durch eine Highscoreliste mit Bewertung („Rakete“).

Highlight der Wii Fit sind aber die beiden ernsthaften Trainingsbereiche Muskelübungen und Yoga. Hier kann man, wenn man täglich 30 Minuten übt, wirklich Kraft und Beweglichkeit gewinnen und Gewicht verlieren. Das Spiel schaltet immer mehr Übungen frei, die man individuell anwählen kann. Die Übungen werden von der Computerfigur sauber vorgemacht, man kann sie von allen Seiten ansehen, um die richtige Bewegung zu erkennen. Fast alle Übungen nutzen das Balance Board, um die Leistung des Spielers zu messen. Kommt es bei Yoga auf möglichst saubere Übungsdurchführung mit zitterfreier und guter Gleichgewichtshaltung an, nutzt das Spiel bei den Muskelübungen das Balance Board eher als Zählmechanismus. Wer zum Beispiel Bauchmuskelübungen macht, legt die Füße aufs Balance Board, macht Klappmesser und senkt die Füße wieder aufs Balance Board, was die Zählung der Übung einleitet.

Die Übungen sind meist für Anfänger wie Trainierte geeignet, lediglich einige Yogaübungen sind deutlich an überdurchschnittlich Trainierte gerichtet und verlangen gute Muskelkraft und Beweglichkeit. Durch periodische Fitnesstests wird ein Mix aus Gewicht, Reaktionsvermögen und Gleichgewichtssinn überprüft. Dadurch bekommt man das „Wii Fit-Alter“ angezeigt, was eine relative Einstufung zum wirklichen Alter gibt. Ist man jünger als das Lebensalter, so freu sich der Mii, anders herum ist er niedergeschlagen und traurig.

Pro & Contra: Was mir gut an dem Spiel gefällt, ist das Balance Board, was bei vielen Übungen motiviert, sich anzustrengen. Die Übungen sind gut gemischt, man kann sich seine Lieblingsübungen herauspicken. Die virtuellen Trainer merken sich, wie häufig man trainiert hat und kommentieren längere Abwesenheiten. Weniger gut gelöst finde ich, dass das Spiel zu viele Sicherheitsabfragen beinhaltet. Wenn ich beim hundertsten Mal vor einer Balance-Übung darauf hingewiesen werde, dass ich mich an Objekten festhalten kann, nervt das. Auch ist die Menüführung mittelprächtig, ständig muss man auf Schaltflächen klicken, damit es weiter geht. Eine Stunde Netto-Trainingszeit wird so um weitere 15 Minuten ergänzt, nur um sich durch Menüs zu hangeln, Schaltflächen zu bestätigen, etc. Es gibt auch keine Möglichkeit, Trainingseinheiten automatisch aneinander zu reihen, jede Übung muss manuell einzeln angewählt werden.

2. Ubisoft Mein Fitness-Coach
http://ubisoftcoach.de.ubi.com/games/mein-fitness-coach/51
Als zweites Spiel einer ernsthaften Trainingsreihe auf der Wii erschien der Fitness Coach von Ubisoft. Dieses Programm ist vom Menü und der Aufmachung bereits einen Schritt weiter als Wii Fitness, da es leicht bessere Grafik verwendet, mit mehreren Trainingshintergründen (z.B. Sportstudio oder Wüsten-Ressort), es gibt aber nur eine einzige virtuelle Trainerfigur, Maya (die sich immerhin ab und an umzieht). Grafisch nutzt das Spiel trotz besserer Engine immer noch keine 16:9 Bildschirme aus, was zu unschönen Verzerrungen oder schwarzen Balken führt.
Das Spiel geht anders an die Trainingsziele heran als seine Konkurrenten.

Zuerst wird eine umfangreiche Messung durchgeführt, um die Fitness des Spielers zu ermitteln. Das Programm bietet dann unterschiedliche schwere Übungen. Dank unterstützter Zusatzgeräte (Pulsmesser, Stepboard, Gewichte) sind die Übungen auch mit zusätzlicher Intensität durchführbar. Nachdem man einen Trainingsschwerpunkt (Oberkörper, Körpermitte, Unterkörper, Beweglichkeit, Cardio) und die Länge der Übung (15, 30, 45, 60 Minuten) gewählt hat, geht es in einem Rutsch und ohne viel Erklärungen durch das Programm. Das ist auch die große Stärke und Schwäche des Spiels. Es richtet sich in meinen Augen klar an einen bereits trainierten Spieler, gibt nur auf Nachfrage während einer Übung eine Erklärung und spult ansonsten ein gutes, abwechslungsreiches und durchaus forderndes Programm ab. Durch kontinuierliche Nachfrage (Wie war die Übung? Zu leicht, passend, zu schwer?) und Abfrage des gefühlten Leistungsstandes zu Beginn der Übung, in Kombination mit den anfangs ermittelten Fitnesswerten wird ein recht gut angepasstes Programm ermittelt. Anfänger erhalten leichtere Übungen (z.B. Pushups / Liegestütze auf Knien), Fortgeschrittene freuen sich über variantenreiche Handpositionen oder einen Wechsel zwischen langsamer und normaler Bewegungsgeschwindigkeit. Dabei feuert die Trainerin einen recht forsch und fast schon ein wenig pampig an (Mein Liebling: „Bewegung, Bewegung, Bewegung!!!“), was dem Charakter des unermüdlichen Coachs am nächsten kommt.

Die Übungen sind echte Gym-Klassiker. Von diversen Aerobic-Übungen, vielen Situp-Varianten über gute Oberkörper-Trainings und Stretchings / Yoga ist alles dabei, was den Trainingserfolg bringt. Was mit besonders gefällt, ist dass das Programm automatisch abläuft, man muss nur ein paar Mal während des Trainings über die Zufriedenheit mit der vorherigen Übungssequenz abstimmen. Periodisch wird der Fitness-Test überprüft, was die Fortschritte transparent macht. Wo Wii Fit mit eher spielerischen Einträgen agiert (alleine das Stempeln der Tagesleistung oder das nervöse Zittern des Mii bei der Präsentation des Wii Fit Alters ist schon putzig), ist der Fitness Coach nüchtern und sachlich, in allen Aspekten. Es scheint, als ob jemand sehr sachlich und nüchtern an das Thema „Fitness“ herangegangen ist und das Programm eher durch Abhaken einer Checkliste entstanden ist.

3. EA Sports Active
Das jüngste Spiel in der Reihe der ernsthaften Wii Sportspiele. Das Spiel sieht auf einem 16:9 HD Fernseher gut aus, bietet satte Grafik mit leuchtenden Farben. Die Mii werden nicht unterstützt, EA Active Sports nutzt eigene Avatare für den Spieler. Im Gegensatz zu den beiden anderen Sportspielen wird kein virtueller Trainer angezeigt, sondern das Spiel verwendet die eigene Spielerfigur sowie Videos eines menschlichen Trainers, Frau oder Mann nach Wahl des Spielers. Diese ewig grinsenden Trainer machen einen guten Job darin, die Übungen vorzustellen.
Kern des Spiels ist die 30 Tage Fitness Challenge. Hier wird ein Programm nach Maßgabe des Spielers ermittelt, das eine gute Mischung aus Aerobic-, Muskel- und Beweglichkeitsübungen bildet. Aus dem Fundus der Übungen stellt das Programm automatisch eine Reihe von Übungen zusammen, die in sinnvoller Art und Weise den Spieler trainieren. Ergänzend dazu kommen Fragen über Lebensweise, Essverhalten und dergleichen, die das Bild abrunden. Achievements verdient sich der Spieler durch entsprechend lange Trainingszeit, verbrannte Kalorien und dergleichen.

Active Sports nutzt drei Trainingsgeräte im Spiel: Das Balance Board (optional), ein Thera-Band (http://de.wikipedia.org/wiki/Thera-Band) für Muskelübungen sowie die Controller, wobei das Nunchuk in eine spezielle Beinmanschette eingefügt wird, um Beinbewegungen zu messen. Ist das beigefügte Thera-Band zu schwach, kann man im normalen Sporthandel entsprechend stärkere nachkaufen (grün, schwarz). Die Übungen setzen darauf, dass eine saubere Durchführung erfolgt, welche mit den Controllern gemessen wird. Bewegt man sich zu schnell oder kippelt die Hand, so gibt es zwar Ermahnungen auf dem Bildschirm, die Übung schlägt aber nicht fehl sondern geht weiter.

Was ebenso wie beim Fitness Coach auch bei Active Sports möglich ist, sind Gruppentrainings, die aber das gleiche Equipment (Beinmanschette, zweiter Controller mit Nunchuk) voraussetzen. Zudem ist es fraglich, dass der durchschnittliche Haushalt dermaßen viel Platz im Wohnzimmer für die Übungen hat. Aber trotzdem, ein schönes Feature.

Hat man die 30 Tage Challenge gemeistert (so weit bin ich noch nicht), kann man sich individuelle Übungen zusammenstellen. Dabei besitzt das Spiel die beste Flexibilität, aus der Reihe der vorhandenen Übungen wird per Drag and Drop ein Programm zusammengebaut, womit eigene Schwerpunkte realisiert werden können.

And the winner is...
Fazit: Alle drei Spiele leisten das, was sie sollen, nämlich unsportliche Menschen durch gute Übungen zu sportlichen Menschen zu machen. Alle drei vermögen es, bei disziplinierter und vor allem regelmäßiger Durchführung der Übungen, Pfunde schmelzen zu lassen; insbesondere, wenn die Ernährung mit umgestellt wird. Salat statt Chips, Wasser statt Limonade. Deswegen gibt es keine Verlierer bei den Spielen, doch eine Rangreihung, wie gut die Spiele es leisten, den Spieler zu motivieren, weiterzumachen.

Erster Sieger: EA Sports Active. Das Spiel hat die beste Grafik, eine gute Mischung aus lustigen Spielen, anstrengenden Übungen und gibt die besten Anleitungen durch die Videos. Das Feedback bei der Übungsdurchführung ist hier auch sehr gut. Sogar das Balance Board wird genutzt. Alles in allem der Überzeugungstäter für mehr Bewegung am Fernseher.

Zweiter Sieger: Ubisofts Wii Fitness Coach. Wer einigermaßen fortgeschritten ist und die Wii tatsächlich regelmäßig für seine Trainings verwendet, hat es irgendwann einmal über, sich durch einzelne Übungen zu klicken, alles mögliche zu bestätigen. Meine Empfehlung für Fortgeschrittene!

Dritter Sieger: Wii Fit brachte Tausende neue Spieler an den Fernseher und ersetzte die Sport-DVDs. Der Einsatz des Balance Boards ist sinnvoll gelöst. Das Spiel verlangt vom Spieler eine Menge manueller Interaktion, was den Trainingsfluss stört. Wii Fit hat meiner Meinung nach die besten Yoga-Übungen der drei Spiele und gibt das beste Feedback durch das Balance Board.

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