Nach knapp einem dreiviertel Jahr haben meine Frau und ich Nordend praktisch durchgequestet. Zeit für einen Rückblick. Zuerst, die Vorfreude auf Nordend war nicht so groß wir bei Burning Crusade. Zu sehr ist jetzt bekannt, was an Spielmechanik auf einen zukommt. Neue zehn Stufen, eine kleine Handvoll neuer Skills und viele Balancing-Änderungen. Die Welt Nordend ist uns letztlich aber lieber als die von Burning Crusade, einfach weil das Fantasy-Thema von Warcraft besser rüberkommt. Mir ist zwar bewusst, dass Orks in der WoW Geschichte letztendlich Aliens sind, also eine extraterrestrische Spezies, aber dennoch spielt sich das Spiel schon immer so, als ob die Wesen, Dämonen und Titanen nicht durch Teleportationsportale stammen, sondern schon immer auf dem Planeten heimisch gewesen wären. Das Problem einer Fantasy-Welt, die Planeten- und Universums-Realismus anerkennt.
Eine der besten Entscheidungen, die wir treffen konnten, war das langsame leveln. Ohne Stress mit Mitspielern um Questmobs, Ressourcen und dergleichen war das Questen eine Freude. Der Preis dafür war recht hoch, vollkommener Anschlussverlust mit den anderen Gildenmitgliedern, viele von denen haben mittlerweile eine Handvoll 80er Charaktere die Naxxramas und besser ausgerüstet sind. Wir haben gerade einmal zwei 80er und einige 70er, die in den nächsten Monaten auf das Stufenlimit gehievt werden. Auch die Verringerung des Zeiteinsatzes zum Spiel war eine gute Entscheidung, auch wenn WoW dadurch ein wenig zum Luxushobby wurde. Immerhin bedingt mein Beruf auch, dass ich nicht mehr 4 Stunden abends am Stück spielen kann. Eine oder mal zwei müssen da genügen und die Zeiten, wo ich morgens vollkommen übernächtigt in die Firma wanke, weil abends vorher ein Raid stattfand, sind endgültig passé. So wie wir WoW in den letzten 10 Monaten gespielt haben, war es zudem ein hervorragender Zeitvertreib. Dutzende Quests im Questlog, kein Stress in Instanzen, lohnende Questbelohnungen und Craftingausrüstung. Ich will gar kein hochrangiges Ulduar- oder Eiskrone-Set, weil man dann sämtliche grünen und blauen Questbelohnungen der nächsten Erweiterung einfach vergessen kann. Lieber ein wenig das Crafting und die Rufbelohnungen abholen, die sind für unsere Spielzwecke vollkommen ausreichend.
Was hat uns an Wrath of the Lich King besonders gut gefallen? Zuerst einmal - die Quests. Die sind meiner Meinung nach mit Abstand das beste was ich in MMOs seit Start gespielt habe. Die Nutzung der Spielmechaniken (Fahrzeuge), das Phasing der Welt um eine an sich persistente in eine wandelnde Spielwelt zu ändern, ist klasse. Sogar eine Zwischensequenz hat Blizzard eingebaut. Auch das Crafting ist gefühlt besser geworden, auch wenn ich das ein wenig zu Ressourcen intensiv finde. Dennoch - die Ausrüstungsgegenstände, die Schmiede, Schneider, Lederer und dergleichen herstellen können, sind gut und sinnvoll. Aber was die Tiefe des Craftingsystems angeht, hat sich leider in den einzelnen Berufen immer noch nichts getan, ganz im Gegenteil, die Verflachung und Vereinfachung schlägt überall durch. Gab es früher noch Schmiedespezialisierungen wie den Waffen- und Rüstungsschmied und dann innerhalb der Waffenschmiedekunst noch einmal eine Verfeinerung in Schwert, Hammer und Axt, so ist das alles Vergangenheit, genauso wie die Trennung in Elementar-, Drachen- und Stammeslederer.
Die Story ist für Wrath of the Lich King natürlich um Arthas Menethil, den Königssohn und heutigen Lichkönig herum geschrieben. Eine sehr gute Einbindung tragischer, klassischer Figuren wie Morgraine, Tirion Fordring und vieler anderer Charaktere macht auch Laune und sorgt für immer wieder schöne ingame-Sequenzen am Ende langer Questreihen. Leider wird die am Anfang intensive, persönliche Ansprache des Helden durch Arthas nicht genutzt, es wird die Chance auf einen Seitenwechsel oder einen Konflikt vertan, jeder erlebt das gleiche Spiel. Das ist in meinen Augen eine weggeworfene Gelegenheit, hier hätte World of Warcraft einen neuen Akzent setzen können und den Spieler in eine alternative Geschichtslinie einbinden können.
Eine Sache finde ich noch interessant, was mir ganz besonders bei dem Gebiet Eiskrone aufgefallen ist. Der enorme Zuwachs an Tagesquests und die Möglichkeiten, Haufen von Gold durch diese anzuhäufen. Ich bin erstaunt, dass es dermaßen viele abwechslungsreiche Tagesquests gibt. Dieser Spielinhalt ist für mich grundsätzlich ganz angenehm, gibt es doch diverse Vorteile: Nach zwei, drei Wiederholungen hat man den Dreh raus, was wo zu machen ist, die Goldeinnahme ist gut, der Rufaufbau mit den Belohnungen auf Ehrfürchtig ist fast immer nett (zumindest, solange man nicht durch Naxxramas oder Ulduar geschleift und dort episch ausgestattet wird). Doch ich denke, die schiere Masse an Tagesquests weckt auch den Wunsch bei vielen, alle zu erledigen, am besten noch mit allen Charakteren, die verfügbar sind. So befindet sich der Spieler schnell in einer Tagesquest- und Raidmühle und bleibt wie ein Hamster im Rad beschäftigt, denn es geht immer weiter, weiter, weiter... Da muss man ein wenig Selbstkontrolle beweisen, um nicht hektisch alle 25 Tagesquestplätze zu füllen.
Über den Instanzen- und Raidinhalt lasse ich mich nicht aus, da ich den nicht erlebt habe. Auch wenn für die meisten Gildenspieler das zum einzigen Spielzweck geworden ist, mache ich das aus diversen Gründen nicht mehr mit. Naxxramas hätte mich aus Storygründen noch mal interessiert, aber so scharf bin ich da auch nicht mehr drauf.
Herr der Ringe Online
Ein Wunder an Umfang und Spieltiefe sind die Minen von Moria. Wir spielen dort seit vielen Monaten, fast überwiegend mit unseren "Großen" und sind noch nicht aus Moria heraus. Um eine kleine Pause zu machen von den Zwergentiefen haben wir mal ein wenig alte Quests und Bereiche abgeklappert und Gruppenquests sowie kleine Instanzen gespielt, die wir zu zweit erledigen können. Angmar-Gruppenquests sind weiterhin recht knackig geraten, weil die Steigerung an Kampfkraft und Stärke des Charakters bei LOTRO nicht so stark gerät wie bei WoW. Immerhin haben wir fast alle Gruppenquests jetzt durch und sind auch ein wenig weiter bei der epischen Geschichte.
Die Handwerkskunst erlaubt seit der letzten Erweiterung jetzt auch, die legendären Waffen des zweiten Zeitalters zu schmieden, was sofort einen sprunghaften Anstieg an Kosten für die ganzen Zutaten zur Folge hatte. So viel besser finde ich die Waffen aber auch nicht, zudem kommt das "Problem", dass Waffen jenseits von Stufe 20 enorm lange brauchen zum steigern. Dafür gibt es jetzt viele Möglichkeiten, durch Tagesquests (sic!) die Waffen schneller zu leveln. Wie alles neue wird auch dieser Inhalt in LOTRO schnell überrannt, die Gruppen balgen sich hektisch um die seltenen Questgegner, die man für diese Tagesquest erledigen muss. In ein, zwei Monaten legt sich das auch wieder.
Wir freuen uns, bald Khazad-Dum hinter uns zu lassen und gen Lothlorien zu ziehen, ins Land der (Ruf-) Elben. Ein wenig Abwechslung tut ganz gut nach den enorm stimmungsvollen Minen.

Als Erweiterung soll ja angeblich das Reitergebiet von Rohan kommen, dann würden sicher auch Minas Trith (angeblich PvMP), Isengart (bestimmt eine Raidinstanz) und eventuell Fangorn bald folgen. Hoffentlich lassen sie sich was mit den Pferden einfallen, eine Art "Levelsystem" für Reittiere wäre klasse, eventuell verbunden mit sowas wie einem Ausrüstsystem, z.B. Sattel, Panzerung oder Zaumzeug, welches die Werte des Reittieres verändert?
Die "Kleinen" Charaktere, der Hobbitbarde und die Hobbitwächterin, sind mittlerweile schon recht weit in Forochel und freuen sich, bald nach einem kurzen Intermezzo in Angmar (*schauder*) gen Moria zu ziehen.

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