Wenn man ein neues Spiel startet oder einen zweiten Charakter beginnt, stellt sich häufig die Frage: Welche Klasse nehme ich? Bei World of Warcraft obsiegten bei mir mehrere Gründe, weswegen ich einen Zwergen-Jäger spielen wollte. Erstens spiele ich schon immer gerne Zwerge. Die grummelige Art spiegelt ganz gut wieder, was ich an einem Spielcharakter mag. Zudem möchte ich etwas anderes sein als ein Mensch. Mensch bin ich 24 Stunden am Tag. In den Spielen möchte ich möglichst etwas Fremdes versuchen und mich in eine andere Rolle hineinzuversetzen. Bei Oblivion zum Beispiel wählte ich einen Khajit, eine Art Löwenwesen. Mich reizt das Neue, andere an der Fremdartigkeit. Der Jäger war neben der Art und Weise, wie er angekündigt wurde (Fernkämpfer, spielt nicht in vorderster Front mit) schon in der engeren Auswahl aber besonders hat mich das Introvideo beeindruckt, in dem ein störrischer Zwerg mit seinem treuen Bärenbegleiter, der so herrlich röhrt, durch den Schnee stapft. Das haben übrigens auch einige Mitspieler in meiner Gilde (ebenfalls Zwergen-Jäger) bestätigt, dass dieses Bild für sie sehr entscheidend war.
Nun, das war der erste Charakter, den ich gewählt habe. Ich lese ja bekanntermaßen das Blog von Tobold sehr gerne, der mal berichtet hat, dass er vorwiegend Heiler spielt. Warum hat er diese Motivation? Er sagt, dass in MMOPGs die Heiler generell etwas unterbesetzt sind und demzufolge er recht sicher in eine Gruppe eingeladen wird. In WOW haben meine Frau (Hexenmeister) und ich trotzdem viel Spaß an unseren Charakteren. Was ich aber bemerkenswert finde, sind die Paare, die eine Krieger/Heiler-Kombination spielen. Diese haben nämlich nicht das Kernproblem von Instanzen: „Heiler und Tank für XYZ gesucht, dann kann es los gehen“.
Es ist bei einem Neustart eines Spiels immer schwer, zu erkennen, welche Klasse später am besten zurechtkommt, zumal kurzfristige Hochphasen (Klasse XYZ ist in bestimmten Phasen des Spiels auf einmal entscheidend oder verursacht besonders viel Schaden) viele Spieler zu Neidkommentaren veranlassen oder sogar beeinflussen, einen neuen Zweitcharakter zu spielen, in der Hoffnung, auf der Welle des Erfolgs mitzuschwimmen. Die Spielhersteller und Designer erkennen Ungleichgewichte recht schnell und beseitigen diese auch.
In dem bald startenden LOTRO (Herr der Ringe Online) ist es sehr wahrscheinlich, dass wir auch eine ähnliche Kombination wählen werden. In LOTRO ist der typische Krieger aus WoW der Wächter. Ein Defensivcharakter, der viel einstecken kann und das Bollwerk einer Gruppe gegen Feinde darstellt. Meine Wahl wird vermutlich auf die Klasse fallen, welche in LOTRO die Moral der Gruppe heben soll: Der Barde. Diese Klasse fand ich auch schon in anderen Rollenspielen interessant, am besten immer mit einem schurkischen Einschlag.
Im Solospiel ist es hingegen eher so, dass die meisten Spieler eine Kombination aus schwer gepanzerten und gleichzeitig leicht magischen Charakteren spielen wollen, der klassische Paladin wird so geboren. Ich glaube auch, dass gerade die Wechselspieler vom Solo- zum ersten MMOPG-Spiel sich aus diesem Grund für einen Paladin entschieden haben. Ebenfalls die Spieler aus Diablo 2, wo der Paladin ebenfalls ein glänzender Solo- und Gruppencharakter darstellte. Blizzard drängte den Paladin in den Raidinstanzen leider in eine sehr einseitige, aber wichtige Rolle: Die des Heilers. Genau diese Rollenfixierung (unterstrichen durch die einseitig auf Heilung ausgerichtete Tier 1, Tier 2 und Tier 3 Raidausrüstung) trieb viele Spieler, die ehemals Paladine spielten, bei Neuanfang eines Zweitcharakters in andere Rollen (Wechsel zur Schadensklasse). Dennoch, viele Spieler bei uns in der Gilde blieben ihrem Paladin (oder der Paladina) treu und Blizzard hatte auch ein Einsehen in die Klasse und ihre Vielfältigkeit, was zu einer breiteren Wahl an Ausrüstung führte.
Interessant finde ich es immer, mir anzuschauen, welche Spieler was für einen Zweitcharakter erstellen. Selten gibt es Spieler, die sehr ausgewogen auf Klassen achten. Spieler mit klassischer Damage Dealer-Grundeinstellung wählen meist ähnliche Archetypen (Schurken, Magier, ...) während eher unterstützend eingestellte Spieler einen Charakter starten, der im Gruppenspiel am besten zurechtkommt (Krieger/Wächter, Paladin, Heiler...).
Angesichts der vielen Faktoren, die bei der Klassenwahl hineinspielen, ist es manchmal gar nicht so leicht, seine Wahl zu treffen. Am besten ist es wohl, wenn man sich für die Klasse entscheidet, die einem wirklich liegt, wo man das beste Spielgefühl hat. Nur so schützt man sich langfristig vor Frust und Unlust.
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