Neben dem PC spiele ich ab und an mal ganz gerne auf der Couch am Fernseher. Die XBOX 360 steht seit ca. einem halben Jahr bei mir und ist meine erste Konsole, die ich je gekauft habe. Mich reizte einfach die Vorstellung, mal Spiele einfach nur zu starten und ohne irgendwelche Bugs, Patches, Treiberprobleme und dergleichen (die typischen Schattenseiten des PCs) Spiele zu spielen, zusammen mit einem fantastischen Sound per Surroundanlage.
Neben Oblivion, Tomb Raider Legend und Lego Star Wars II steht seit ein paar Wochen GRAW in meinem Schrank. Die PC Version hat ja erstaunlicherweise gegenüber der XBOX 360 Version zurückstecken müssen, was Funktionalität und Umfang betrifft, z.B. werden die Videoeinblendungen des HUD nicht als Bild sondern als Drahtgitter gezeigt – dann könnte man das auch gleich ganz lassen.
Da ich schon immer ganz gerne mal Taktikshooter wie Rainbow: Six gespielt habe, war GRAW die logische Wahl, zumal es jetzt als Budgetversion erschienen ist (27 Euro vs. 55 Euro zu Verkaufsbeginn sprechen eine deutliche Sprache). Das Spiel ist nett aufgemacht, hat aber seine Tücken. Eine der nervigsten Punkte bei Konsolen sind die Speicherpunkte. Ich verstehe diese Unart nicht, dass man Spieler mit Speicherpunkten quält. Was soll das? Immerhin gibt es meistens genug und fair verteilte Speicherpunkte.
Im Spiel selber geht es um eine Krise in Mexiko, bei der der amerikanische und mexikanische Präsident zwischen die Fronten von Rebellen geraten und das Eliteteam Ghost Recon die glühenden Kohlen aus dem Feuer holen muss. Dabei sind die Level trotz der Stadtumgebung recht linear angelegt, auch wenn sie mehr Freiheit bieten als manch ein Shooter. Ein Ortungssystem weist immer den Weg zu einem neuen Zwischenziel, das man erreichen muss und geskriptete Events (einfahrende Panzer, Helikopterangriffe, Wellen von Gegnern) sorgen für Überraschungsmomente. Der Soldat den man selber steuert, Cpt. Mitchell, wird aus der Schulterperspektive gezeigt, was gerade an Ecken für einen Sichtvorteil sorgt, da man um Ecken schauen kann, die er eigentlich gar nicht einblicken könnte. Hin und wieder gibt es unfaire Momente, wenn ein Scharfschütze aus 300 Meter Entfernung nichts anderes macht, als genau durch den kleinen Spalt zu schießen, den man selber betritt. Das Team, das man steuert, besitzt teilweise gutes, teilweise schlechtes programmiertes Verhalten. In vielen Missionen muss man „selber ran“ um die Lage zu retten. Das Tolle ist, dass das Team eigentlich nicht sterben kann. Selbst wenn sie niedergeschossen worden sind, kann man ein Teammitglied immer noch durch Erste Hilfe retten. Zwar ist sein Gesundheitszustand dann rot, aber der Knabe ist immer noch bereit, zu schießen. Wird man selber mehrere Male getroffen, wechselt die Gesundheitsanzeige von grün über gelb nach rot und ein weiterer Treffer bedeutet das aus, da die Kameraden leider völlig planlos ohne die eigene Führung sind und keiner Erste Hilfe beherrscht. Das macht teilweise das Retten der Teammitglieder schwierig, da man unter Feindfeuer steht, so dass man gezwungen ist, erst die Gegner zu neutralisieren, bevor man das Team rettet (man kann die Teammitglieder nicht in Deckung ziehen um sie sicher zu versorgen).
Der Schwierigkeitsgrad steigt im Spiel zunehmend an, meist steht man in einem Level Dutzenden Soldaten in Kleingruppen und/oder gepanzerten Fahrzeugen gegenüber, die Verhältniszahlen des Teams vs. der gesamten Gegneranzahl im Level sind ziemlich unrealistisch. Neben den Ghosts kann man auch weitere militärische Einheiten steuern, je nach Mission sind das Aufklärungsdrohnen (sehr praktisch), Stryker-Schützenpanzer, Abrams-Panzer und auch Apache-Hubschrauber. Diese besitzen nur rudimentäre Verhaltensweisen („Sir, weisen Sie mir bitte ein Ziel zu, sonst kann ich nicht schießen!“) und Feuerkraft sowie Kampfmöglichkeiten entsprechen nicht dem militärischen Vorbild (der Apache-Hubschrauber kreist sicher nicht 20 Meter über den Köpfen der Schützenpanzer und wartet, bis das Bodenteam ihm endlich ein Ziel zuweist). Gerne genommen auch mein Steuerungsfehler, aus Versehen das Ghost-Team auf den Panzer zu schicken, weil ich wieder vergessen habe, zwischen Ghost-Team und eigenem Panzer umzuschalten.
Grafik und Sound sind sehr gut und realistisch, die Animation teilweise klasse (aus dem Lauf in die liegende Haltung springen, um Ecken luschern) teilweise merkwürdig (die ruckende Laufhaltung sieht komisch aus). Die Gegner-KI ist auch durchwachsen. Manchmal wird man aus 5 Meter Entfernung nicht getroffen, manchmal stürmt der gegnerische Skriptsoldat in den Raum und zielt sicher auf den Spieler, was eine Mission sofort beendet.
Alles in allem ist Ghost Recon ein sehr schönes und taktisch mittelmäßig anspruchsvolles Spiel, das sich mit dem Gamepad meist recht gut steuern lässt. Es verlangt aber schon recht viel Übung, die schnell laufenden Gegner mit dem kleinen Joystick links ins Ziel zu bekommen. Zum Glück gibt es unterstützende Zielfunktionen (linker Abzug).
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