Donnerstag, 8. Mai 2008

Schönheit von Spielen

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man landläufig. Spiele als eigenes Medium der Unterhaltung, ja Kunst, sind durch Kunststile beeinflusst, leben von der Kreativität und dem Können der Grafiker, Landschafts- und Charakterdesigner und letztlich limitiert durch Technik. Wo wir vor 20 Jahren noch die abstrakten ein- oder vierfarbigen Level eines Donkey Kong betrachteten, so ist nun fotorealistische Grafik möglich wie in Crysis. Dazwischen liegen viele Jahre technischer Entwicklung. Ich habe in jeder Phase der graphischen Entwicklung Spiele gehabt, die ich schön fand und andere, wo mir die Grafik nicht lag. Einer der Kunstgriffe, den Grafiker schon immer genutzt haben, ist die Umgehung der technischen Restriktionen (Auflösung, Farbanzahl, Texturgröße usw.) durch Reduzierung der Grafik auf Cartoonstil. Selbst in Zeiten, wo Grafikkarten fotorealistische Grafik ermöglichen, wird dieses Mittel der Abstraktion genutzt, als Beispiele nenne ich mal Team Fortress 2 vs. Crysis oder in Zukunft Battlefield Heroes vs. Battlefield 2142 (Screenshots © EA):


Battlefield Heroes



Battlefield 2141

Genauso kann man über die Verwendung der Grafik in MMOs diskutieren, dabei wird die reine Betrachtung eines Screenshots natürlich nie der ganzen Reihe von Faktoren gerecht, die das ganzheitliche Spielerlebnis ausmachen, also der Kombination aus Grafik, Animation, Soundkulisse, Musik und Spielgefühl. WoW spielt sich äußerst flüssig, hat ausgezeichnete, liebevolle Animation (/flex bei weiblichen Gnomen ist furchtbar putzig) und verwendet gut gestreute Soundeffekte und Sprecher für kleine Zwischentexte (Wer noch nie die Rochenfang-Quest im Schergrat gemacht hat und von Kathie mit einem lieb-dominanten "Hinfort, hinfort" verabschiedet wurde, der kommt dem Nirvana nicht näher).

LOTRO lebt von einer Grafik, die in den Regionen der Freien Völker märchenhaft schön ist, ohne jedoch den Pfad des Realismus allzusehr zu verlassen. WoW baut auf die stimmige Comicwelt, welche eine direkte Fortführung von WarCraft I, II und besonders III ist. Zudem ist diese deutlich Ressourcen schonender und lässt sich leichter animieren, indem Animationen übertrieben worden sind. Spiele, die den realistischen Look anstreben, haben es schwer, da wir alle automatisch die Bewegungen der virtuellen Charaktere mit der Realität vergleichen und ganz natürlich kleinste Unstimmigkeiten bemerken und als unecht benennen.


Es fällt schwer, diesen Blogeintrag zu einem runden Ende zu bringen, ich könnte noch seitenlang schreiben über Spielehistorie, die kleinen, feinen Details verschiedener Spiele was eine gute Grafik ausmachen kann und was nicht. Selbst Spiele mit fantastischer Grafik können seelenlos wirken, wenn der Betrachter das Gefühl hat, die Welt lebt nicht. Ach, da bin ich wieder bei GTA IV gelandet, der Welt, die atmen und leben soll. Komplexes Thema.

Vielleicht führe ich das mal fort.

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