1. Die Steuerung
Ich bin leicht erregbar, wenn Spiele nicht so wollen, wie ich will. Gerade, wenn Charaktere sich an Ecken und Vorsprüngen verhakeln oder wie bei Lara Croft so schnelle, extrem präzise Bewegungen gefordert sind, um getimte Events zu bestehen, klappt das meist nicht beim ersten Mal. Soweit, so gut. Wenn es aber beim 5. oder 6. Mal nichts wird, ist meine Motivation am Ende. Das war auch der Grund dafür, Tomb Raider Anniversary kurz vor dem Ende abzubrechen. Ich bin keine Anfang 20 mehr und meine Reflexe und Bewegungen werden auch nach dem 10. Versuch nicht besser. Bei Assassins Creed ist meiner Meinung nach das Problem des Helden, dass er zu viel kann und nicht "intuitiv" richtige Wege ansteuert. Beispiel: Der Charakter sprintet in vollem Lauf auf eine hohe Wand zu, 20cm weiter befindet sich eine Leiter. Statt gleich leicht nach rechts zu hechten, was in vollem Lauf schwer abzuschätzen ist, versucht er stumpf, die Wand hochzurennen. Natürlich wird das nichts, also springt er statt dessen gegen die Wand und 180° in die andere Richtung. Besonders ärgerlich ist das "Gehampel" bei Fluchtversuchen, wo Gegner einen in den Rücken schlagen, was zum Stolpern führt, was den getimten Sprung verhunzt, was mich zur Weißglut treibt.
2. Hoher Wiederholungsgrad
Wer den ersten Auftrag, Damaskus, gesehen hat, hat das Spiel gesehen. Klar, neue Städte haben neue, beeindruckende Grafik. Ginge es nur um die Grafik, würde ich das Spiel weiter spielen. Aber dazu habe ich keine Lust. Der Ablauf scheint immer der gleiche zu sein:
a. Auftrag beim Chef abholen
b. Zur Stadt reiten (nett!)
c. Gegnergruppe angreifen um einen Zivilisten zu retten
d. Mit Mönchen in die Stadt schleichen (quälend langsam)
e. Zur Zuflucht laufen/klettern/schleichen
f. Aussichtstürme erklettern, um Ziele aufzudecken
g. Auftrag abholen, die Informationen zusammenzutragen
h. Informationen einholen per:
- Diebstahl (nervig)
- Informant verprügeln (dann kaltblütig ermorden)
- Informant belauschen
- Einen Auftragsmord für einen Informanten begehen (ungesehen)
- Für einen Informanten 20 Flaggen in 3 Minuten aufsammeln (das war der Tropfen, der das Faß bei mir zum Überlaufen brachte - der Auftrag ist eine schiere Frechheit!)
j. Zurück zum Auftraggeber
k. Zur Stätte des Attentats schleichen/klettern, dann das Ziel ermorden (teilweise nach Verfolgungsjagd)
l. Flucht zur Zuflucht
m. Zurück zum Chef
Beim ersten Mal - spannend, abwechslungsreich. Beim zweiten Mal - oh, schon wieder das Gleiche. Beim dritten Mal ...
Assassins Creed ist ein phänomenal in Szene gesetztes, sehr repetitives Actionspiel mit einer Steuerung, die es zu gut meint mit der Freiheit und zu wenig auf Eigenintelligenz und Unterstützung des Charakters setzt. Es gibt eine Menge zu entdecken, das Sammeln der Flaggen im Königreich ist ganz nett, die 60 Kreuzritter, die man ermorden kann, sind ziemlich schwer geraten, die Meta-Story um den jungen Desmond in der Forschungseinrichtung lässt mich kalt.
Schade. Teil 2 werde ich mir nur holen, wenn es deutliche Verbesserungen bei der Steuerung und so was wie zuschaltbare Hilfen gibt. Hoffentlich schafft Mirrors Edge es, die Steuerungsherausforderung besser zu meistern. Ich will ja schon frei wählen können, aber sinnvoll. Ein halb-automatisches Springen zu sicheren Punkten, ohne dass ich perfekt in die Richtung steuern muss, wäre für mich wichtig.
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