Insgesamt habe ich etwa 40 Stunden gespielt, der Wiederspielwert ist - nach einiger Zeit Pause - ganz ok, aber nicht dramatisch. Ich denke, dass ich alle für meinen "guten" Charakter zugänglichen Missionen gespielt habe, beim nächsten Durchlauf mache ich mal einen "bösen", also abtrünnigen Charakter.
Das Spiel hat im wesentlichen 3 Spielphasen: Gespräche / Quests auf Planetenoberflächen oder in Raumschiffen, Galaxiekarte und Planetenerkundung per Mako, dem "Flummipanzer". Die Masse der Zeit bringt man in Gesprächen zu, danach kommt die Planetenerkundung per Mako. Am wenigsten Zeit benötigt man für Kämpfe und Galaxiekarte. Nicht unerheblich gefühlte Zeit benötigt auch das Ausrüsten der Charaktere und verwalten der Gegenstände. Es gibt leider ein unangenehmes Limit von 150 Gegenständen im Spiel, was es immer wieder erforderlich macht, Gegenstände in "Universalgel" umzuwandeln, welches man zum Hacken oder Fahrzeugreparieren braucht, bzw. die Gegenstände beim Händler zu verkaufen (deutlich zu empfehlen, da es einige sehr gute Gegenstände nur beim Verkäufer gibt).
Wie spielt sich Mass Effect? In meinen Augen ist es neben den Schwesterspielen Knights of the Old Republic I + II eines der wenigen SF-Spiele, wo man fliegen, Planeten erkunden und Außenmissionen erledigen kann. Ich habe Star Wars Galaxies nie gespielt, aber wenn es ein SF-MMO geben würde, sollte das schon die Elemente von Mass Effect haben, zudem noch Raumkampf mit Raumschiffen, den es bei Mass Effect leider nicht gibt (der aber in meinen Augen technisch genauso gut umzusetzen wäre wie der Kampf auf Planetenoberflächen zu Fuß oder im Mako).
1. Galaxiekarte
Ausgehend von der gewaltigen Station Citadel erkundet man die Galaxie von Mass Effect. Es gibt am Anfang des Spiels dort eine Menge Missionen, an deren Ende man ein eigenes Raumschiff bekommt. Ausgestattet mit einer Handvoll Aufträgen, die teilweise per Funk reinkommen, teilweise vor Ort aufgeschnappt werden, hat man eine große Raumkarte vor sich, in der die Systeme der Galaxie als anfliegbare blaue Kreise gezeigt werden. Klickt man auf eines von denen, kommt die Zoomstufe des Systems, welches die Sonnensysteme zeigt, welche man anfliegen kann. Hier kommt die letzte Zoomstufe in das Sonnensystem, welches Planeten, Asteroidengürtel und Monde anzeigt. Jedes der stellaren Objekte kann man mit dem Cursor anklicken. Einige von denen kann man erkunden und findet so manchmal Metalle oder Gase, was einer Explorationsaufgabe zugute kommt, nur auf den wenigsten kann man landen, meist nur 1 Objekt pro Sonnensystem.

2. Planetenerkundung
Nach der spektakulären Landung auf einem Planeten sitzt man im "Flummipanzer" Mako. Eines vorweg - das Gefährt wird aus einem fliegenden Raumschiff abgeworfen (Starship Troopers, anyone?), aber wie kommt es wieder an Bord, da ja Raumschiffe nicht landen dürfen laut Story. Dieses durch Stürze und Karambolagen unzerstörbare Gefährt besitzt vier Schubdüsen und eine sehr weiche Federung, kleinere Huckel auf einem Planeten bringen es in der Fahrt zu flummiartigem Hüpfen, das man durch kurzes aktivieren der Schubdüsen noch verstärken kann. Selbst wenn der Mako durch einen Sturz von einem Berg auf dem Rücken landet (ist mir einmal passiert) kann man ihn mit Geschick wieder aufrichten. Der Panzer verfügt über extreme Klettermöglichkeiten, die Physikgrenzen sprengen. Felswände mit ca. 70° Steigung kann er noch erklimmen, was manchmal sehr hilfreich ist, da einige Planeten eine sehr rauhe und zerklüftete Oberfläche haben. Auf dem Radar sieht man Objekte, die von Interesse sind, sei es abgestürzte Sonden, Mineralienvorkommen (Thorium!) oder Gebäude. Auf der Hauptkarte sind die aus dem Orbit gescannten Vorkommen verzeichnet, aber es gibt auch noch einige, die man erst auf der Radarkarte erkennt. Entdeckerfeeling pur. Die Vorkommen werden mit einem simplen Reaktion-Minispielchen ausgebeutet und geben Erfahrung sowie Geld. Das Highlight bei Planeten sind manchmal auftauchende Dreschschlunde (so eine Art Monsterwurm mit Säurespucke-Angriffen, nicht ohne) und gegnerische Basen, die mit Geschütztürmen, Kampfläufern und Raketensoldaten gut bestückt sind. Hier gibt es zwei Taktiken, aus der Entfernung hinter einer Deckung mit Zoom und Bordgeschütz einen nach dem anderen erledigen oder durch wildes Herumfahren aus der Nähe die Gegner erledigen. Ich habe meist die erste Taktik genutzt. Hat man alle Wachen beseitigt, kann man das Basisgebäude betreten.

3. Gebäude und Raumschiffe
Die Außenmissionen in der Squad (Shepard + 2 Helfershelfer) laufen in taktischen Gefechten nicht unähnlich zu Ghost Recon und vergleichbaren Spielen ab. Man kann seine Squadmitglieder grob positionieren was häufig zu Wegfindungsproblemen in engen Tunnels oder bei labyrinthartigen Gebäuden führt ("Nicht ohne Lufttransport") oder lässt die beiden einfach hinter einem herlaufen. Je nach eigener Klasse von Shepard kann man ein paar Waffen gut beherrschen oder ist guter Techniker oder guter "Biotiker" also nutzt eine Art Psifähigkeit. Ich hatte einen Infiltrator, der mit Scharfschützengewehr und Pistole umzugehen weiß, daher war es meist lästig, wenn die Squadmitglieder vor meiner Nase herumlaufen und ich habe sie weit entfernt in einer Ecke "sichern" lassen (sprich: abgestellt) um die Gegner alleine aus der Entfernung zu erledigen. Die Gebäude der Nebenmissionen sehen sehr generisch aus und sind häufig mit identischem Layout versehen: Eingangsraum (immer leer, keine Gegner), erster großer Raum mit vielen Kisten, T-Verbindungsgang und 2 angrenzende Räume. Es gibt dann noch 2 oder 3 Variationen davon aber die unterscheiden sich meist nur in der Grafik etwas. Die Hauptmissionen glänzen mit ausgefeilten Gebäuden, exzellenter Grafik für eine SF-Umgebung und schöner, manchmal verwinkelter Architektur.

Die Kämpfe in den Gebäuden oder zu Fuß sind meist schneller vorbei als mir lieb war. Die Squadmitglieder sind stärker als bei Ghost Recon und ballern die Gegner meist schneller weg als ich mit dem Joystick langsam das Fadenkreuz hinbewege, vor allem gegen Ende des Spiels reicht es, die schwer gepanzerten und bewaffneten Kämpfer nach vorne zu schicken und zuzusehen, wie die alles alleine wegräumen. Wer selber Action haben will, nimmt "schwache" Teammitglieder mit und wählt die Soldatenklasse für mehr Wumms mit dicker Schrotflinte und Sturmgewehr.

Dialoge
In Mass Effect spricht man viel. Sehr viel. Ein Großteil davon ist vertont. Einige Stunden Dialog sind im Spiel enthalten, je nach Ausrichtung des Charakters (Abtrünnig oder Loyal) ändert sich der Verlauf von Gesprächen und Handlung (Kampf oder Diplomatie?). Die Dialoge laufen mit einem kleinen Kreissegment ab, aus dem man Gesprächsrichtungen oder Fragen auswählt. Genausogut hätte man die Fragen bzw. Antworten untereinander platzieren können, einen praktischen Nutzen hat die Anordnung aber. Gesprächsoptionen links führen zu tieferen Gesprächen, man erfährt mehr über Handlung und Hintergrund, Gesprächsoptionen rechts beenden das Gespräch schneller. Fragen und Antworten auf der rechten oberen Seite sind generell kooperativ, loyal und "gut", die auf der unteren Seite führen zur dunklen Seite der Macht - ähh zu abtrünniger Einstellung.

Story & Gameplay
Ich möchte nicht allzuviel von der Story verraten, sie ist gut, bietet (leider) keinen wesentlichen Twist in Richtung Verrat oder Betrug und ist recht linear. Aber es gibt genügend Aha-Momente oder coole Ideen. Der Spectre (Galaxis-Spezialeinheit) Saren, ein Turianer, scheint abtrünnig zu werden nachdem er auf eine alte Technologie gestoßen ist. Gemeinsam mit Maschinenwesen (den leider viel zu stark humanoiden Geth, bis auf die Springspinne) fliegt er auf seinem Flaggschiff, der Souvereign durch die Galaxis auf der Suche nach archaischer Technologie. Der menschliche Commander Shepard fühlt sich von ihm verraten und verfolgt ihn, während er dazu mehrere Aufträge annimmt, um Sarens Spur zu finden. Auf der Reise durch die Galaxis lernt Shepard mehrere Alienspezies kennen und nimmt einige davon in sein Team auf. Diese Charaktere kann man wie von KOTOR oder Jade Empire her bekannt im Basislager ansprechen, erfährt kleine Hintergrundgeschichten oder ganz spezielle Aufgaben, die mit dem Charakter zusammenhängen.
Drei Hauptmissionen führen dann zum Hauptstrang der Geschichte, bei der Commander Shepard das Schicksal der Galaxie in seinen Händen hält.
Alles in allem ist Mass Effect ein sehr gelungenes Beispiel von erzählerischer Finesse, spielerischer Freiheit, da man wie bei guten Rollenspielen üblich seine Missionen frei angehen kann. Ich habe nur einen einzigen leichten Bug gesehen im Spiel, ansonsten war alles sehr gut designt (bis auf die angesprochenen leichten Wegfindungsprobleme). Die Kämpfe hätte ich lieber etwas taktischer gehabt, so wird XBOX-typisch viel Zeit mit dem Zielen mittels Joystick verplempert, allerdings gibt es die Möglichkeit mittels einer Taste den Kampf zu pausieren und den Squadmitgliedern neue Waffen zuzuweisen oder den Einsatz von Spezialfähigkeiten zu befehlen, was die meist aber vollautomatisch machen.
Mass Effect bietet einen guten Schluss, kinoreife Inszenierung an einigen Stellen, lediglich die Planetenerkundungen mit dem Mako und die Außenmissionen der Nebenaufträge fallen auf den generischen Welten etwas unten durch, die Hauptstory ist hingegen mit deutlich mehr Liebe versehen. Das Spiel ist als Trilogie angedacht und ich freue mich sehr auf Teil II und Teil III.
Kaufempfehlung für alle, die KOTOR mochten oder einer Art Ghost Recon / Taktikshooter mit Dialogtiefe und Ausrüstungsfummelei Spass haben.








