Mittwoch, 10. Januar 2007

Virtuelle Welten und Spielernamen

Was fasziniert uns an der fantastischen Welt? Warum träumen wir davon, Helden mit Schwertern, Zauberstäben oder Arkebusen zu sein? Schon alleine die wunderbare Welt der Werbung oder des Kinos ist im Prinzip nichts anderes als Realitätsflucht. Wir fiebern mit den Helden des Films mit, sei es nun Zorro, James Bond oder der Terminator. Sie geben uns Unterhaltung der besonderen Art. Unser Alltag ist geprägt von harter Realität, auch wenn uns manche Erlebnisse im Leben doch recht surreal erscheinen.

Sei es der tägliche Weg zur Arbeit, die Treffen mit anderen Menschen, Sport oder auch einfach nur ein verregneter Samstagnachmittag, das echte Leben ist selten glamourös und spannend. Einige suchen ihre Flucht aus der Normalität in starker physischer Herausforderung, z.B. Extremsportarten oder besonderen Urlaubszielen. Andere lesen Bücher, um die Sagen von ihren Helden (egal ob Harry Potter oder Miss Marple) zu verfolgen, zu lesen, wie sie leiden, sich freuen, in Bedrängnis geraten oder ihren Triumph feiern.

Ich glaube, die besondere Fähigkeit, welche wir alle besitzen, ist die Assoziation mit dem Helden bzw. Protagonist. Selbst wenn der Charakter abstoßend ist (wie z.B. ein Hannibal Lector oder der Schlitzer Freddy Krüger aus Nightmare on Elm Street), wir assoziieren uns mit der Handlung, versetzen uns in den Protagonisten und fühlen mit. Die Assoziation versetzt uns aus unserem normalen Leben, Körper, Raum und Zeit und bringt uns in eine Situation wie wir sie hoffentlich nie erleben müssen. Bedrohung von Leib und Leben, Mord und Totschlag, aber auch Triumph, Sieg und Rettung. Hier sind äußerst starke Gefühle am Werk, welche unseren Geist beschäftigen.

Eines der Zeichen, die ich persönlich nehme, wie ernst es einem Spieler mit seinem Charakter ist, ist der Name. Ein großes MMOPG wie World of Warcraft hat tausende Mitspieler pro Server, so dass ein guter Querschnitt der Spielergemeinde anzutreffen ist. Hier reicht die Namensvielfalt von Namen, welche sich stark mit dem System verbinden (bei Herr der Ringe werden Elfen Namen wie Eleowyn tragen, Zwerge Groin oder Thurk heißen), dann gibt es (eher jugendliche) Spieler, welche ihren Charakteren starke Namen geben, um ein wenig Selbstsicherheit des Charakters auf sie zu transferieren, Beispiel dafür wären eine beliebige Kombination aus Präfixen wie: Dark-, Night-, Darth-, Death-, Shadow- und Suffixen wie: -slayer, striker, -lord, rider, -stalker und dergleichen. Eine weitere Gruppe von Namensgebungen werde ich nie verstehen, ich weiß nicht ob diese Spiele ihren Charakter hassen (und das vielleicht auf Selbsthass basiert?), denn sie geben ihren Charakteren Namen wie Kloputzer, Hackfresse oder DummerZwerg. Zuletzt gibt es noch die Gruppe der Spaßvögel, welche keine Lust haben, ihren Charakter an die Namenswelt des Spiels anzupassen, sondern lieber ihre Hobbies oder andere Merkmale des echten Lebens in die Benennung einfließen lassen: FerrariFan, HeinzP, DackelTrudi, Friesennerz.

Reine Nischensysteme, wo nur ein harter Kern an treuen Fans spielt, haben eher homogene Namen, welche eher an die Spielwelt angepasst sind, die breiten Massensysteme sehen die größte Bandbreite an Namen. Ich tendiere eher dazu, Spieler mit schrägen Namen weniger Ernst zu nehmen. Irgendwie finde ich es unpassend, wenn ein Spieler sich Wirsing, Spekulatius oder Orcslâyer (weil Orcslayer schon vergeben war, wird kurzerhand der Zirkumflex genommen) nennt. Bei Shooterspielen fand ich das wenig störend, da man meist nur kurze Zeit mit solchen Leuten abgeben musste

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