Mittwoch, 16. Mai 2007

Die WOWisierung von LOTRO

Bislang habe ich die Hoffnung gehegt, dass LOTRO ein kleines Reservat von engagierten, fairen Spielern mit wenig Interesse an den Sachen ist, die WOW groß gemacht haben. Quests zusammen mit anderen erleben, die Szenerie genießen, die packende Storyline miterleben usw. Dabei kein juveniles Geschwätz im OOC Gesprächsbereich, sondern freundliche, nette Hilfen usw.

LOTRO has es noch geschafft, ein hohes Niveau beizubehalten. Leider sind kleine Anzeichen zu erkennen, dass es zu viele gelangweilte, egoistische Spieler in das Spiel geschafft haben. Ein typisches Beispiel ist die klassische Einstellung zu freien Ressourcen, insbesondere Erz. Jeder hat ein Interesse daran, seine Kasse zu füllen oder in seiner Handwerkskunst weiter zu kommen. Jeder. Dazu braucht es nun einmal Ressourcen. Bei Gegnern ist das recht einfach gelöst, wer einen Gegner für sich markiert, indem er eine gewisse Menge Schaden erzeugt, kann sich der Beute sicher sein, sofern er diesen besiegt und alleine spielt. Die Rohstoffressourcen sind leider nicht an ein ähnliches System gebunden, so dass jeder, der zuerst da ist, den Rohstoff abbauen kann. Es gibt sogar die Möglichkeit, mit einem schnelleren Werkzeug das Material zuerst abzubauen, selbst wenn man später ankam. Die Sache, welche die meisten Leute ärgert, ist das stehlen von bewachten Ressourcen. Vielfach sind rund um die Ressourcen mehrere Gegner. Diese müssen meist bekämpft werden, bevor man sich der Ressource widmen kann. So kommt es dann manchmal vor, dass Spieler sich den Weg zu einer Erzader freikämpfen, nur um zu sehen, dass ein anderer Spieler dann an ihnen vorbeirennt und das Erz abbaut.

Das Verhalten ist sehr verpönt, findet aber leider allzuoft statt.

Eine der Möglichkeiten, wie Designer so etwas umgehen könnten, wäre, mit einer Erzader einen "Bewacher" zu spawnen, der, wenn man ihn bekämpft, die Ader freischaltet. Oder anders herum gesagt, derjenige, welcher den Bewacher bekämpft hat, sichert sich das Abbaurecht für einen gewissen Zeitraum. Sicher hat auch solch ein System seine Tücken, aber es würde zumindest das am stärksten empfundene Unrecht verhindern. WOW hat genau dieses Problem in meinen Augen völlig falsch angegangen: Schatzkisten, die in Monsterlagern stehen, können so lange nicht geöffnet werden, wie man im Kampf ist. Vielfach passiert nun folgendes: Der Spieler kämpft sich durch die Gegner durch, nur um im letzten Kampf ohnmächtig zuzusehen, wie andere ihm die Schatzkiste vor der Nase wegschnappen, ohne dass er zumindest versuchen kann, diese zu öffnen. Sehr ungeschickt, auch wenn es als Maßnahme gegen Goldfarmer gedacht war.

Eine andere Form der WOWisierung ist die Aufnahme von Raids in LOTRO. Jedem ist bewusst, dass das Spiel die Möglichkeit für Raids beinhalten wird. Viele Spieler sind aber von den Raids aus WOW so enttäuscht oder müde, dass sie nur wenig dieser Spielinhalte sehen wollen. Die Designer haben in einer Q&A Session einer Fansite bestätigt, dass ein Inhalt für Schlachtzüge veröffentlicht wird. Prinzipiell habe ich keine Sorgen dabei, denn Raids sind eine sehr packende Möglichkeit, Spielinhalte zu erleben und Spieler zusammenzuschweißen. Es sollte nur nicht in die WOW Ideen ausarten, dass es nur mit "höher, schneller, weiter" voran geht.

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